Welchen Einfluss hat der Fertigungsstandort auf die Preise von geschweißten Stahlkonstruktionen und Stahlbauteilen und wann lohnt sich Low Cost Country Sourcing um von Standortvorteilen zu profitieren? Wie kommt man zu einem aussagekräftigen Preisvergleich für Stahlkonstruktionen? Diese Fragen sind für Einkäufer von Maschinen- und Anlagenbauunternehmen essentiell beim Aufbau Ihrer Lieferkette. Die Antwort darauf ist höchst individuell und hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.

Kostenfaktoren im Stahlbau

Vereinfacht setzen sich die Produzentenpreise für Stahlbau ab Werk aus drei Kostenfaktoren zusammen:

  • Lohnkosten (Arbeitskosten für das Zuschneiden, Schweißen, Rüsten, Konservieren und die Montage der Teile)
  • Materialkosten (Kosten für Rohmaterial wie Platten, Träger, Stahlprofile oder Rohre, sowie Hilfsstoffe wie Schweißelektroden oder Schleifscheiben)
  • Administrationskosten (Gebäudekosten, Qualitätssicherung, Vertrieb, Lohnverrechnung, Vertriebskosten, Abgaben etc.)

Darüber hinaus muss der Einkauf noch die internen Aufwände für die Lieferantenbetreuung vor Ort, sowie die Lieferkosten in Betracht ziehen um zu einem aussagekräftigen Gesamtkostenvergleich zu gelangen.

Kostenverteilung im Stahlbau

Die Aufteilung dieser Kosten hängt maßgeblich von der Komplexität und der Art der Stahlbauteile, sowie dem Fertigungsstandort ab.

Stahlpreise und Materialkosten

Die Preise für Stahl, sind durch die offenen Märkte in Europa relativ homogen und unterscheiden sich nicht wesentlich. Einfluss haben hier allenfalls die Transportkosten, so dass Fertigungsunternehmen im Nahbereich von Stahlerzeugern oder Händlern leichte Kostenvorteile haben. Selbst weltweit unterscheiden sich die Preise nur geringfügig, so dass es hier aufgrund der langen Transportwege kaum Einsparpotential gibt. So kostete etwa im November 2017 eine Tonne Warmbandstahl in den USA 574€, in Europa 536€ und in China 451€, wobei bei Stahl aus China noch ca. 20% Zoll hinzukommen so dass wieder ein Gleichgewicht herrscht (Quelle).

Bei grobem Stahlbau mit hohen Wanddicken und wenigen Bearbeitungsschritten, gewinnen die Materialkosten zwar an Einfluss, aufgrund der geringen Unterschiede sind hier aber keine großen Standortvorteile auszumachen. Bei leichterem Stahlbau mit dünnen Blechstärken und komplexeren Strukturen ist die Bedeutung der Materialpreise geringer. Das Bauteilgewicht spielt an sich auch eine geringere Rolle und trägt weniger zu den Gesamtkosten bei. Je weniger standardisiert die verwendeten Halbzeuge wie Bleche, Profile oder Rohre sind, desto mehr kommt es auch auf die Bezugsquellen des Lieferanten an.

Energie und die Hilfsstoffe

Die Energiepreise für die Industrie in Europa variieren um bis zu 100%. Im Gegensatz zur Stahlerzeugung und -verarbeitung, haben die Energiekosten bei der Herstellung von Stahlkonstruktionen aber nur geringen Einfluss. Lt. Eurostat sind die niedrigsten Strompreise für Industriekunden in Serbien anzufinden (0,05 €/kWh), die höchsten in Italien (0,15 €/kWh). Industriekunden in Polen oder Ungarn zahlen nur etwas mehr als die Hälfte als Industrieunternehmen in Deutschland.

Hilfsstoffe wie technische Gase oder Schweißelektroden sind in allen Industrienationen zu ähnlichen Preisen zu beziehen und wirken sich kaum auf den Endpreis einer Stahlkonstruktion aus.

Lohnkosten

Ganz anders sieht es hingegen bei den Lohnkosten aus. Die Lohnkosten sind bei der Herstellung von Stahlbauteilen wie Schweißkonstruktionen der entscheidende Kostenfaktor. Vor allem bei komplexen leichten Stahlbauteilen mit vielen Bearbeitungsschritten tragen die Lohnkosten überproportional zum Endpreis bei. Diese Aussage trifft allerdings nur auf Bauteile mit vielen manuellen Arbeitsschritten zu. Bei Aufträgen mit hoher maschineller Wertschöpfungstiefe wie z.B. bei der Serienfertigung von Stanzteilen, Zuschnitten oder beim CNC Biegen, verlieren die Lohnkosten an Einfluss und andere Kosten, vor allem Transportkosten gewinnen mehr an Gewicht.

Laut Eurostat betrugen die Kosten für eine Arbeitsstunde in der Industrie im Jahr 2016 in Deutschland 33€, in Rumänien hingegen nur 5,50€. Die weiteren Lohnkosten einiger wichtiger Industriestandorte der EU können Sie nachfolgender Tabelle entnehmen:

Land€/h
Deutschland33,00
Österreich32,70
Italien27,80
EU (28 Länder)25,40
Slowenien16,20
Slowakei10,40
Tschechische Republik10,20
Kroatien10,00
Polen8,60
Ungarn8,30
Rumänien5,50
Bulgarien4,40

 

Nicht angeführt in dieser Tabelle ist die Schweiz, 2012 lagen die Lohnkosten in der Industrie lt. statistischem Lexikon der Schweiz bereits über 50€ je Stunde. Aus diesem Grund haben die Lohnkosten in der Schweiz überdurchschnittlich hohen Einfluss auf die Stahlbaupreise.

Im EU- Mittel kann man je nach Art der Stahlbauteile von einer Aufteilung von ca. 35% Lohnkosten, 40% Materialkosten und 25% Administrations- und sonstige Kosten ausgehen.

Für eine mittlere Baustahlkonstruktion aus handelsüblichen Stahlplatten und Stahlprofilen (Blechdicke 5-10mm) ergeben sich somit im EU-Durchschnitt folgende Kosten je kg:

  • Materialkosten inkl. 20% Verschnitt und Anlieferkosten: € 1,50/kg
  • Lohnkosten: € 1,31/kg
  • Administration: € 0,94/kg

Daraus ergibt sich ein Gesamtpreis von ca. 3,75€ je kg geschweißter Baustahlkonstruktion, was im EU-Durchschnitt durchaus realistisch ist.

Kostenvergleich nach Erzeugerländern

Nimmt man statt dem EU-Durchschnitt die Lohnkosten für andere Fertigungsstandorte als Maßstab ergibt sich folgender Kostenvergleich für Stahlkonstruktionen:

AnteilEU-28DeutschlandPolenUngarnRumänien
Lohnkosten je Arbeitsstunde

€/h

25,4033,008,608,30

5,50

Materialkosten inkl. Anlieferung und 20% Verschnitt

€/kg

40%1,501,501,501,50

1,50

Lohnkosten

€/kg

35%1,311,710,440,43

0,28

Administrationskosten

€/kg

25%0,941,070,650,64

0,60

 Gesamtkosten €/kg100%3,754,282,592,57

2,38

Wählt man nun als Fertigungsstandort Polen statt Deutschland, so lassen sich je kg Stahlkonstruktion 1,69€ einsparen. Das entspricht einer Kostenreduktion von beinahe 40%. In Rumänien wären sogar Einsparungen von über 40% möglich.

Bei diesem Kostenvergleich wurde angenommen, dass sich auch die Administrationskosten anteilig mit den Lohnkosten ändern. Die Administrationskosten entsprechen daher in diesem Beispiel bei allen Ländern 25% der Gesamtkosten je kg Stahlkonstruktion.

Gesamtkosten für Stahlbau ermitteln

Ab wann lohnt sich das Outsourcing von Stahlbauteilen in Länder mit niedrigeren Lohnkosten? Dazu muss man zu den vorhin ermittelten direkten Kosten für den Stahlbau noch folgende Kostenfaktoren berücksichtigen:

  • Transportkosten
  • Interne Kosten für die Lieferantenbetreuung
    • Qualitätssicherung
    • Gegebenenfalls Kosten für die Übersetzung der Konstruktionsunterlagen, Verträge und Abnahmeprotokolle
    • Reisekosten und Telekommunikationskosten
  • Nacharbeitskosten
  • Kosten für kurzfristig benötigte Teile

Wann lohnt sich Low Cost Country Sourcing für Stahlbauteile?

Ob sich Low Cost Country Sourcing von Stahlbauteilen im individuellen Fall für den Einkauf nun lohnt oder nicht, lässt sich nicht pauschal beurteilen, sondern hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

Komplexität der Stahlbauteile

Je komplexer ein Bauteil ist, desto schwieriger ist es, den Lieferanten auf große Distanz zu entwickeln. Bei großen Mengen und langfristigen Bedarfen ist es aber gerade bei komplexen, arbeitsintensiven Bauteilen lohnend an einem günstigen Standort zu produzieren.

Bezugsmenge bzw. Auftragsvolumen

Für Einmalbedarfe ist es vergleichsweise aufwendig einen neuen Lieferanten zu entwickeln. Sofern es sich nicht um sehr einfache Bauteile, oder große Einzelprojekte handelt, ist Low Cost Country Sourcing oft zu kompliziert. Bei wiederkehrenden Bestellungen und entsprechendem Einkaufsvolumen lohnt sich der Schritt ins Ausland auch bei komplexeren Aufträgen.

Wann lohnt sich Low Cost Country Sourcing im Stahlbau?
Infografik: Wann lohnt sich Low Cost Country Sourcing im Stahlbau?

 

Voraussetzungen für erfolgreiches Low Cost Country Sourcing

Damit Low Cost Country Sourcing auch zum Erfolg wird, müssen auch intern im Unternehmen die Weichen dafür gestellt werden und es muss geklärt werden, ob das Unternehmen die notwendigen Voraussetzungen erfüllt.

Hat das Unternehmen die nötigen Ressourcen und notwendige Kompetenz, den richtigen Lieferanten zu finden und zu entwickeln? Es gibt unzählige Stahlbaufirmen, aber welche kann wirklich die Anforderungen erfüllen? Die Suche nach dem richtigen Stahlbaulieferanten gleicht oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen und verschlingt oft mehr Zeit als gedacht.

Viele Male wartet man vergebens auf Angebote. Bekommt man sie dann entsprechen oft der Preis, die Lieferzeit oder die Verfügbarkeit nicht den ursprünglichen Vorstellungen. Viele Projekte sind einzigartig und auch die vielen Stahlbaulieferanten haben individuelle Stärken und Schwächen. Diese herauszufinden und den richtigen Partner für die richtige Anfrage zu finden hat Jactio.com sich zum Ziel gesetzt.

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