Bei der Suche nach Stahlbaulieferanten bietet sich neben der CEE Region (Zentral- und Osteuropa), vor allem China als Fertigungsstandort an. Die Fertigungskosten sind zwar verlockend niedrig, doch es gibt so einige Fallstricke, die es zu beachten gilt:

1.       Lieferzeit

Stahlkonstruktionen per Container auf dem Seeweg von China nach Europa zu verschicken schränkt Sie in der Fertigungsplanung deutlich ein. Die Lieferzeit von Hafen zu Hafen beträgt ca. 4 Wochen, dazu kommt noch die Zeit für den Landtransport, die Verladung und die Verzollung.

2.       Fertigungsbegleitung

Viele Stahlbaulieferanten aus der CEE Region, etwa aus Polen oder Ungarn sind aus Deutschland oder Österreich im Rahmen einer Tagesreise erreichbar. Dadurch können Sie bei wichtigen Fertigungsschritten, wie etwa Dichtheitsprüfungen, Schweißnaht Kontrollen oder der Vorabnahme vor der Lackierung, persönlich vor Ort sein. Die Fertigungsbegleitung in China lohnt sich erst bei sehr großen Aufträgen, da die Reisekosten beträchtlich sind.

3.       Zoll

Je nach Warencode fallen für Lieferungen aus China Zölle an. Hinzu kommen die Formalitäten der Zollabwicklung. Die jeweiligen Einfuhrzölle können Sie in der Taric Datenbank der EU ermitteln.

4.       Sprache

Bei chinesischen Stahlbaulieferanten müssen Sie in der Regel alle Fertigungsunterlagen in englischer Sprache bereitstellen. Selbst dann kann es aber noch zu unterschiedlichen Interpretationen kommen, so dass eine genaue Durchsprache der Fertigungsschritte beim ersten Auftrag sehr ratsam ist. Im nahen Ausland können Sie sich in der Regel gut in englischer Sprache verständigen und viele Zulieferer haben deutschsprachige Mitarbeiter. Weiters sind die Unternehmen im CEE Raum bereits mit den Arbeitsabläufen vertraut und kennen die Erwartungshaltung ihrer Kunden.

5.       Spezielle Zukaufteile

Der Markt für Zukaufteile in China ist sehr groß und es sind so gut wie alle namhaften Lieferanten für Zukaufteile in irgendeiner Form in China vertreten. Dennoch kann es passieren, dass die verfügbaren Bauteile nicht vollumfänglich denen in Europa entsprechen oder bestimmte Lieferanten für spezielle Bauteile, welche z.B. nur in Europa erforderlich sind, nicht vorhanden sind. Bei einigen Herstellern gibt es auch Qualitäts- oder Ausführungsunterschiede die oft nicht auf den ersten Blick und anhand der Bezeichnungen erkennbar sind.

6.       Beistellungen an den Stahlbaulieferanten

Um Teile, z.B. besondere Legierungen oder Präzisionsteile beizustellen, müssen diese erst nach China eingeführt und entsprechend für die Wiederausfuhr deklariert werden. Diese Prozedur ist erfahrungsgemäß sehr kompliziert und es kann zu ungeplanten Verzögerungen kommen. Zudem sind Sie darauf angewiesen, dass Sie bei Ihrem Stahlbaulieferanten einen kompetenten Ansprechpartner für die Zollabwicklung haben. Durch die Beistellteile erhöhen sich auch Ihre Durchlaufzeiten und Ihr Planungsaufwand dementsprechend.

7.       Normen und spezielle Normteile

In Stahlbauten häufig verwendete Bauteile wie Träger, Formrohre oder Platten können in China in Zusammensetzung und Geometrie von europäischen Standards abweichen und sind deshalb im Einzelfall zu prüfen. Natürlich sind Din Teile auch in China in der selben Form ausgeführt aber aus wirtschaftlichen Gründen empfiehlt es sich oft, in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Stahlbaulieferanten auf lokale Profile umzustellen.

8.       Versorgungssicherheit

Vorwiegend aus Luftschutzgründen kommt es in China vor allem im Winter immer wieder vor, dass die Regierung nicht gesetzeskonforme Fertigungsstätten temporär schließt oder die Auflagen erhöht. In diesem Fall kann es zu erheblichen Auftragsverzögerungen kommen. Leider ist es für Außenstehende nicht einfach nachzuvollziehen ob ein bestimmter Fertiger alle Auflagen erfüllt und die Maßnahmen werden teilweise sehr kurzfristig ergriffen. Bisher waren viele Unternehmen geduldet, aber der Druck der Administration steigt.